Interview

Sigiswald Kuijken: Das Leben kostet viel Zeit um es erst einmal leben zu können.

Sigiswald Kuijken
© Koen Bauters 2012
Ilja Dobruschkin
Geschrieben von Ilja Dobruschkin

BREVIS: Wie beschreiben Sie sich selbst kurz in Bezug auf Musik?

Sigiswald Kuijken: Ich bin ein Mensch, der gefesselt ist durch die Schönheit der Musik und der glücklich ist darum, dass er mit seinen beschränkten Talenten auch selbst bestimmte Arten der Musik realisieren kann, ausführen darf. Die Freude des Durchgebens dieser Kunst ruht auf der immer wieder neuen Entdeckung, dass jede Schönheit aus einer unerschöpflichen Quelle fließt, die in einem jeden Menschen verborgen lebt. Der Anschluss an diese Quelle ist jedem immer frei, und ungemein heilend.

Haben Sie sich mit der Zeit verändert?

Sigiswald Kuijken: Eigentlich nicht, ich kann nur sagen, dass diese Ansichten mir selbst mehr und mehr bewusst werden, aber im Grunde habe ich immer so gedacht, auch ohne es oft zu formulieren.

Was machen Sie gerne, wenn Sie gerade nicht musizieren?

Sigiswald Kuijken: Ich habe kein Hobby und brauche es auch nicht; das Leben selbst ist schon eine ganze Beschäftigung! Man ist zwar viele Stunden dabei, einfach die Dinge zu tun die zu der Organisation gehören, zu der praktischen Verwirklichung dessen, was wirklich zu tun steht. Man könnte es so sagen: das Leben kostet viel Zeit um es erst einmal leben zu können; aber auch diese „nötigen Stunden“ gehören dazu und man müsste dankbar sein, dass man sie zu Verfügung hat. Natürlich sind die Höhepunkte des Erlebens selten in diesen Stunden gelegen, an sich – aber sie geben uns die Möglichkeit dasjenige zu realisieren was wir möchten, sie sind der Preis.
Ich bin sehr glücklich wenn ich den einfachen, tiefen Atem des Daseins spüren kann – und das kann geschehen in guter Gesellschaft, oder in einem Moment der Einsamkeit, bei Spaß und äußerlicher Freude oder auch in der Stille. Es hängt immer von der inneren Qualität ab. Ich meine hierbei nicht: humorlose, todes-ernste Konzentration ohne Lockerheit! Man kann sich überraschen lassen, das Glück hängt von uns selbst ab.

Was heißt für Sie „Alte Musik“?

Sigiswald Kuijken: „Alte Musik“ war mal ein einfacher Ausdruck, eine harmlose Redensart, aber heutzutage deutet er öfters eine bestimmte Kategorie im Musikgeschäft an, die abgeschieden ist, beschränkt wie ein gewisser Berufsinhalt es sein kann. Das Schöne, Befreiende, Reizende in der Musik der Renaissance und Barock war mal (im Unterrichtssystem und auch in der allgemeinen Musikszene bis in den 50-er oder 60-er Jahren) so sehr unterdrückt oder „untergeschneit“, dass, wenn es freikam und den herrschenden Konservatoriums-Regeln entfloh, dies gewissermaßen wie eine essenzielle Entdeckung schien. Man fing wieder an zu sehen, dass nicht alles geschrieben war in den Noten, dass es Freiheiten und Möglichkeiten in dieser Musik gab, die man sich selbst anmessen konnte mit mehr oder weniger Mühe, Studium und Talent. Der Musiker wurde da wieder Mit-Erfinder, im Grunde sah man da eine Neue Welt aufgehen, und man kann nicht leugnen, dass das auch zu tun hatte mit allgemein-philosophischen oder gesellschaftlichen Situationen und Ansichten. Nicht zufällig waren in den späten 60-er Jahren viele Musiker, die diese neue, freiere Art des Musizierens anhand der „alten Musik“ entwickelten, auch zugleich aktiv in der damaligen Avantgarde: auch da wurden die Konservatoriums-Gesetze erstmals beiseite gesetzt – das war der erste Impuls; ein gewisses Tabula-rasa-Bestreben war da oft nicht weit weg.
Diese Frische, und dies wohltuende Erleben einer gewissen neu erworbenen Freiheit hat sich selbstverständlich nicht unverändert durchhalten können; das Leben fließt weiter und was mal neu war, wird wieder weniger neu und entwickelt schließlich seine eigene Überlebungsmechanismen, wird zu etwas „Bestimmtem” mit schon wieder gewissen eigenen Beschränkungen, Gewohnheiten und kleinen Gesetzen.
Alte Musik ist heute dieses so genannte Gebiet, wo mit „Period instruments” gearbeitet wird und mit – wie man jetzt sagt – „Historically informed performance practice“, „HIPP“, ja so konnte ich es vorige Woche lesen in einem Programmheft in einem bekannten Konservatorium). Man kann jetzt auch Doktorate machen in diesem neuen Akademischen Bereich: alles ist vorgesehen, völlig professionell ausgebaut. So sieht man, wie eine einst ziemlich rebellische Sache sich selbst wieder in eine feste Ordnung weiß zurück zu führen. Paradox? Vielleicht, aber, wie ich sehe, eher ein wahrscheinlich normaler Vorgang, der von einigen wahrscheinlich mehr geschätzt wird als von anderen.
Man kann natürlich Alte Musik auch noch einfach verstehen „aufs Wort”: dann wäre im Grunde alles, was nicht heute geschrieben ist schon alte Musik. Oder wenn nicht so, wo dann die Grenze gezogen wo Musik anfangen würde, alt zu sein? Und so weiter, bla bla bla?
Eine Idee die mir lieb ist, ist, dass Qualität immer neu ist, also nicht „alt”, aus welcher Zeit sie auch stammt. In dem Sinne ist der Ausdruck „Alte Musik“ nur noch relativ unwichtig. Diese Qualität, die man in manchen alten Stücken findet, hat meines Erachtens nur zu tun mit innerem Anschluss an die Quelle, wie ich sie oben schon vermerkte, und kann tausende Formen haben.

Ist historische Aufführungspraxis eine Sache der wenigen Kenner und Spezialisten?

Sigiswald Kuijken: Sollte nicht so sein, wenigstens nicht von der Seite des Publikums. Von der Seite des ausübenden Musikers verlangt Alte Musik – genau wie alle Musik – ein gutes Talent und die Technik und Erfahrung um dasjenige, was man spielt überzeugend und ansteckend (und dabei am liebsten auch integer und respektvoll, wenn ich sagen darf) durchzugeben an den Zuhörer. Dass aber im praktischen Liebhaber-Niveau das Wissen und Können einen weiten Raum lassen müssen für Spielfreude, auch Hörfreude, und einfach Spaß und Glück, ist selbstverständlich. Übrigens ist diese Spielfreude auch nicht so unwichtig im professionellen Betrieb.

Was macht die historische Aufführungspraxis so besonders, dass sie immer noch vom „Mainstream“ getrennt wird?

Sigiswald Kuijken: Das Bemühen, mehr erfassen zu wollen vom Kontext, in dem die Musik geschrieben wurde, und sich einzuleben in die damals herrschenden Konventionen in der Musikpflege, ist schon eine Erweiterung des Horizonts, die gesund ist für unser Gehirn, würde ich sagen. Es ist doch selbstverständlich, dass man z. B. J.S. Bach nicht aus Wagners Welt anschauen muss, nicht aus den 19.-Jahrhundert-Gepflogenheiten. Trotz allem gibt es aber noch immer einen gewissen Widerstand gegen diese Evidenz; sie wurzelt glaube ich öfters in einer bestimmten Unwissenheit, in einer Gewohnheit im Denken, die nicht schlecht gemeint ist, aber nur ein bisschen faul.

Improvisation, was sagen Sie dazu?

Sigiswald Kuijken: Das ist ein weiter Begriff. Es gibt begnadete Liebhaber, die keine Noten Lesen können (oder kaum), die aber fantastisch improvisieren in bestimmten Arten der Musik, oft sogar mit vielen Kunstregeln einbegriffen, die sie einfach „aufs Gehör” erwischt haben. Bravo, bravissimi!
Anderseits gibt es die mehr oder weniger strukturierte Improvisation, die man lernen kann und bewusst benützen oder ausüben. Auch die ist sehr wertvoll, ich stehe sehr hinter diesem Handwerk. Es ist sowieso wichtig, dass ein Musiker damit praktische Erfahrung entwickelt, sei es in beschränktem Maß, wie z.B. bei Verzierungen in derjenigen Musik, die solche als festen Bestandteil in sich verlangt.
Ich sehe, dass heute diese Fähigkeit des Improvisierens in der so genannten Alten Musik immer mehr entwickelt wird. Das kann nur gut sein, man erweitert seine Fantasie und sein Strukturdenken dabei. Ob es aber so weit führen muss, dass z.B. jazzy Elemente in Crossover-Weise in die Renaissance-Musik eingebracht werden sollten, überlasse ich jedem persönlich.

Welche Perspektiven haben Absolventen der Studiengänge „Alte Musik“?

Sigiswald Kuijken: Ach, schwierige Frage. Wir sollten zunächst bedenken, dass die Probleme nicht nur für die Alte-Musik-Studenten gelten, sondern für alle Musik-Absolventen, nein? Es ist zumindest merkwürdig, dass einerseits alle Institute nur an Wachstum, Entwicklung, Expansion denken müssen um zu überleben – wenn nicht auch noch daran, dass sie Geld einbringen müssen, wie in unserer Gesellschaft viele Universitäten und sogar Kliniken – und anderseits z.B. immer weniger Orchester unterstützt werden, wo die Musik-Diplomierten ihren Beruf dann ausüben könnten nach Abschluss der Studien. Das Orchesterwesen ist international in der Krisis und das ist vielleicht eine historische Entwicklung, aus der die heutige Generation sich trotz allem vielleicht einen Ausweg finden wird. Aber noch mehr: das ganze Feld der Klassischen Musik, inklusive also der Alten Musik, ist im Abgang gegenüber dem immensen Konsum der Gebrauchsmusik. Was dagegen tun? Erfinderisch sein und nicht sofort viel verdienen mögen. Und mehr als je: überzeugen mit dem was man tut, wobei meines Erachtens Echtheit und Qualität auf die lange Dauer immer mehr Gewicht haben werden als modisches „mitmachen” und sinnlose, verkrampfte „Innovation” um der Innovation willen.

Was sagen Sie zur Alte-Musik-Szene in Ihrem Land und zu der in Deutschland?

Sigiswald Kuijken: Es gibt allerhand, ich weiß nicht was überall los ist! Es gibt im Allgemeinen diesen – annehmbaren – Stress um sich zu differenzieren von den anderen, doch glaube ich absolut nicht, dass man sich da die Freiheit erwirbt, indem man bestimmt „anders“ sein möchte. Das ist eine andere, neue Form der Sklaverei. Warum nicht einfach bei der Essenz bleiben, das heißt auch: danach suchen, ohne andere Absichten als eben das. Geduld und, trotz allem Widerstand, guten Geschmack, das wünsche ich allen Kollegen.

Wird unser Publikum immer älter?

Sigiswald Kuijken: Sehr schwer ist es, das zu verneinen. Wie größer der allgemeine Komfort in der Gesellschaft – der so genannte Lebensstandard – wird, um so weniger, so scheint mir, kommen die Leute zu klassischen Musikkonzerten. Leitet Komfort und Lebensstandard zu weniger Tiefe im Leben, weniger Bedürfnissen an Kunst und wertvoller Schönheit, neben den vergänglichen Charmes der Gesellschaft? Ich glaube das festzustellen. Die ältere Generation, die jetzt circa 50 ist oder sogar etwas jünger, hat meistens schon nicht mehr an ihre Nachkömmlinge weitergegeben, sich für wertvollere Kultur zu interessieren als für den Konsum der selbstverständlichen Komfortangebote. Deswegen die Abwesenheit des jungen Publikums. Die Jüngeren selbst trifft keine Schuld, würde ich sagen. Es fehlt ihnen einfach an überzeugenden Beispielen, an einem allgemeinen Klima, wo die klassische Musik ein bedeutender Teil des Kulturlebens ist. Die seit einigen Jahrzehnten bestehende Jugend-Kulturpflege in unseren reichen Gesellschaften versucht oft, so scheint mir, vor allem eine gewisse „Light”-Kultur anzubieten wegen größtmöglichem Erfolg. Das hilft aber auch kaum in Sachen Besuch der klassischen Musikkonzerte oder Repertoire-Theater oder Kunstausstellungen. Ich bitte diejenigen, die sich trotz allem dafür mit Heldenmut einsetzten um Verzeihung, dass ich hier allzu viel verallgemeinere. Die Kulturzentren sollten hier wieder viel mehr anbieten, statt Klassik nur noch als marginal zu unterschätzen.

Gab es vor 30 oder 40 Jahren mehr junge Leute im Publikum als heute?

Sigiswald Kuijken: Ich bedauere sehr, sagen zu müssen: Ja, es gab mehr junge Leute im Publikum. Oft sehen wir heute Leute im Publikum, die jung waren mit uns, und begeistert mit uns zusammen. Sie haben aber wie wir jetzt graue oder weiße Haare. Ich bin immer ungemein froh, wenn ich junges Publikum bemerke im Saal. Doch bleibe ich hoffnungsfroh, dass die Evolution sich mal umkehren wird: nach Regen kommt irgendwann doch Sonnenschein!

Wie können wir die jüngeren Zuhörer für Alte Musik begeistern?

Sigiswald Kuijken: Durch „wir selbst zu bleiben“, auch in unseren wechselnden Ideen, in unserer Evolution; erklären, ohne Pedanterie, was wir tun, unsere Freude an der Sache ansteckend zeigen, und keine Angst davor haben, dass wir alles aktualisieren und adaptieren müssten um noch eine Chance zu haben, gehört zu werden! Und das nicht nur bei der Alten Musik! Wir müssen doch auch kein Bild von Rembrandt oder Memling modernisieren um es attraktiv zu machen für heute. Es genügt, das Interesse zu wecken für das was da ist. Und die Qualität ist da, sie steht außer der Zeit, man muss nur das Band zeigen mit dem was auch im Menschen ewig ist.

Inwiefern hat die Erfindung der CD den Berufsalltag verändert?

Sigiswald Kuijken: Ja, das ist eine Geschichte an sich…Vor 50, 40, 30 Jahren noch gehörten Platten- oder CD-Aufnahmen für einen Musiker zur Berufstätigkeit, die auch ernsthaft honoriert werden konnte. Mit der Zeit hat sich alles verändert – das CD-Angebot ist so sehr vermehrt, es gibt so viel mehr Diversität an Titeln und Genres, dass natürlich jede einzelne Aufnahme oft nur relativ wenig Käufer kennt. Für die Firmen ist heute also jede Aufnahme ein größeres Risiko als bei den geläufigen Titeln von den früheren Zeiten. Kulturell ist diese neue Menge der CDs nicht negativ, im Gegenteil – so viel wertvolles kommt nach außen! Der Musiker muss aber heute fast immer so ungefähr das Geld mitbringen, will er eine Aufnahme machen… Gut, es ist wichtig, weiter zu machen, man muss auch zeigen was man erarbeitet, und sicher bleibt die CD (oder jetzt auch die Verbreitung via Internet etc.) ein Zeugnis davon, neben den Konzerten selber und dem Unterricht, den man vielleicht gibt.

Welche Ihrer CDs liegt Ihnen besonders am Herzen, und warum?

Sigiswald Kuijken: Einiges finde ich besonders gut gelungen – sei es in „Alter Musik” mit alten Instrumenten, oder eher in späterer Musik mit „non-period-Instruments”, z.B. unsere Einspielung von van Beethovens Razumovsky-Quartetten und dem Streichquintett auf „modernen” Instrumenten mit Wieland und meinen Töchtern Veronica und Sara; oder Mozarts Streichquintette auf „alten” Instrumenten…
Auch unsere Haydn-Symphonien mit La Petite Bande und verschiedene Bach-Vokalwerke in solistischer Besetzung (Kantaten und Passionen) bleiben mir bei, und Mozarts Zauberflöte… EINES daraus wählen ist eigentlich nicht möglich für mich. Dabei ist noch vieles anderes ein Vergnügen, wenn ich es mal höre…
Der größte Genuss dabei ist nicht so sehr die Tatsache dass ICH oder WIR da spielen – nein, es ist zunächst die Qualität der Musik, und dann das Gefühl, dass es dargestellt ist ohne zu viel Ego, das die Idee des Komponisten verdüstern und überschatten würde.

Alte Musik und die Öffnung ihrer stilistischen Grenzen, was sagen Sie dazu?

Sigiswald Kuijken: Die Öffnung in der Denkweise seit Anfang der 60-er Jahre, wobei vom Komponisten und seiner Zeit ausgegangen wird und so viel wie möglich von den dazu gehörenden Instrumenten – die hat vieles geändert, das war eine gute Übung. Diese Denkweise weiterzuspannen zu späterer Musik ist sicher auch wohltuend. Es soll bloß kein neues „must” werden, kein System, dem man aus Mode folgt weil es eben gut ankommt…Ich finde, dass das Bedürfnis an „Period Instruments” immer schwächer wird, je näher die Musik uns zeitlich liegt. Eine Brahms-Symphonie mit modernen Instrumenten stört mich überhaupt nicht – genauso bei Debussy oder Webern! Aber die detailliertere und bewusstere Realisierung der Musik (solange man auch den großen Schwung, das Ungreifbare der Kunst behält), ist sicher immer ein Gewinn…

Was bedeuten moderne Medien für die Alte Musik und ihre Szene?

Sigiswald Kuijken: Wahrscheinlich deutet die Frage auf Facebook etc, die sogenannten sozialen Medien? Ich bin schlecht positioniert um darüber zu urteilen, benütze sie nie: ich habe auch nicht so viel Sympathie dafür, es scheint mir wie eine Schaubühne wo jeder seine Sache loswerden möchte, ungeachtet dessen, ob es interessant sei… So weit ich verstehe ist da sehr viel unwichtiges (wenn nicht blödes und aufgeblasenes) dabei – und es sitzen wahrhaft Millionen Leute stundenlang vor dem Schirm dafür. War das so nötig? Eine liebe Kollegin von mir sagte vor einiger Zeit darüber: „many young people do not live their life anymore, they broadcast it…” Das schien mir gut ausgedrückt. Aber sicher, man kann diese Medien auch sinnvoll benützen, nehme ich an, und dann ist es bestimmt auch positiv. Ob es aber zutrifft, dass junge Musiker sich heute nur noch dank Facebook und dergleichen einen Weg machen können, möchte ich anzweifeln. Ich hoffe von Herzen (ich weiß es im Grunde) dass die Facebook-losen auch noch eine Chance haben!
Die Technik ist wunderbar, bewundernswert – wer wird dagegen sprechen? Es ist unglaublich was der Mensch schafft! Doch wünschte ich mir zuweilen, sie wäre nicht überall so präsent. So hasse ich z.B. die heute so geliebten Video-screens auf der Bühne bei Theater und Oper (auch bei alten Opern!) – diese Libretti brauchen so was wirklich nie, sie brauchen eine andere Theaterkunst; wie ekelhaft und absurd ist das Zeug in diesen Kontexten! Ich hasse auch meistens die Powerpoint -Vorträge, wobei das Bild das Publikum nur ablenkt von dem was gesagt wird: man verfolgt visuell, kontrolliert fast den Vortrag, statt ihn anzuhören, und das gebotene Thema in sich aufzunehmen so wie es der Sprecher in der Zeit entfaltet.
Aber ach…lass doch jeden tun was er will, ich brauche ja nicht alles mitzumachen oder gut zu achten, und rede für mich selbst.

FINIS

Geschrieben von

Ilja Dobruschkin

Ilja Dobruschkin

Unser Redakteur wurde in eine Musikliebhaber-Familie hineingeboren und hat die Entfaltung der historischen Aufführungspraxis mitgehört. Nach seinem Quantensprung innerhalb der nördlichen Halbkugel darf Ilja nun auch immer mal wieder als freiberuflicher Geiger und Bratscher bei den praktizierenden Akteuren der sich inzwischen groß entfalteten Alte-Musik-Szene mitspielen. Er macht sehr gerne bei Aktivitäten für den Erhalt und Weiterentwicklung der Szene mit. In der VAM ist Ilja als Vorsitzender der Landesvereinigung Schleswig-Holstein aktiv.

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